Viele Handwerksunternehmer kennen das Problem, können es aber selten klar benennen: Angst im Recruiting.
Es ist nicht die Angst vor zu wenigen Bewerbungen. Sondern die Angst, im Gespräch zu klar, zu direkt oder zu kritisch zu sein und den Bewerber damit direkt wieder zu vergraulen.
Viele Unternehmer stellen Bewerber ein, weil sie sympathisch wirken und die Stelle dringend besetzt werden muss. Es fehlt Personal, der Druck im Betrieb steigt, und sobald jemand halbwegs passend erscheint, wird gehofft, dass es schon funktioniert.
Genau da beginnt das Problem.
Denn Recruiting ist keine Sympathieprüfung. Wenn du im Gespräch nur nette Fragen stellst, bekommst du auch nur nette Antworten. Ob jemand wirklich zuverlässig ist, Konflikte aushält, Verantwortung übernimmt und in deinen Betrieb passt, findest du so nicht heraus.
Deshalb findet ein großer Teil von Führung bereits im Recruiting statt. Je klarer du vor der Einstellung prüfst, desto weniger musst du später korrigieren, diskutieren und nachführen.
Starke Bewerber erkennst du nicht daran, dass sie dir nach dem Mund reden. Du erkennst sie daran, wie sie mit echten Situationen umgehen. Stelle offene Fragen, arbeite mit Beispielen aus deinem Alltag und bring Bewerber bewusst in Entscheidungsszenarien.
Zum Beispiel:
„Wenn ich deinen letzten Chef nach deiner Zuverlässigkeit frage, welche Note würde er dir geben?“
Oder:
„Ein Kunde beschwert sich laut auf der Baustelle. Wie gehst du damit um?“
Solche Fragen zeigen mehr als jeder Lebenslauf.
Wenn du nur aus Harmoniebedürfnis neue Mitarbeiter einstellst, zahlst du später mit Zeit, Geld und Nerven. Dann hast du Mitarbeiter im Betrieb, die Konflikte meiden, Verantwortung wegschieben oder fachlich und menschlich nicht passen.
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